Ackerspaziergang
Die große Vielfalt an Gemüsekulturen, die in diesem Jahr rund um den Hof und in der Nähe des Hofladens wächst, ist beflügelnd. Gerne möchten wir Euch und Sie in unserem Newsletter mit auf einen kurzen digitalen Ackerspaziergang nehmen und zeigen, was derzeit auf unseren Feldern gedeiht. Los geht's!
Am Fahrradweg vorbei startet der Spaziergang in Richtung Nordwesten zum Grünkohl, den Flower Sprouts, Zucchini und Zuckermais.
Beim Grünkohl ackern Lars, Uli, Mohammed, Marko und Finn-Jannis in den auffällig ausgedünnten Reihen. Einige der jungen Grünkohlpflanzen sind bereits der ersten Sommerhitze vor einigen Wochen zum Opfer gefallen.
Die verbliebenen Pflanzen werden nun zunächst mit dem Turiel-Rahmen durchfahren und dabei die Unkräuter unterschnitten. Wo der Turiel-Rahmen nicht hinkommt, kommt die Hacke zum Einsatz. Zu fünft geht das fix.
Vorbei an den reichlich tragenden Zucchinipflanzen und dem Zuckermais führt der Weg schließlich über die Straße zum nächsten Gemüse. Hier hat der Kürbis in diesem Jahr große Pläne. Seine langen Arme schlängeln sich bereits über den Acker hinaus und haben sich auf die Grasnarbe zwischen Acker und Gehweg niedergelegt.
Sein Blätterdach ist bis auf wenige Ausnahmen vollständig geschlossen. Tellergroße Blätter liegen dicht an dicht, und wenn man darunter eintaucht, eröffnet sich eine ganz eigene Welt.
Hunderte Blüten leuchten zwischen dem Grün. Aus manchen sind bereits Hokkaidos geworden, die rund und glatt wie kleine, polierte Bowlingkugeln anmuten.
Die Bestäuber wissen längst, was sich hier verbirgt. Trotz der etwas versteckten Lage findet sich in beinahe jeder Blüte jemand, der sich am Nektar labt und ganz nebenbei dafür sorgt, dass aus der Blüte später ein weiterer Kürbis werden kann.
Ein Stück weiter ist die Fläche schon wieder leer und staubig. Hier standen unsere ersten Freilandsalate und die schnellen Frühjahrskulturen. Irgendwie hat es ein kleiner Spätzünder geschafft, weder geerntet noch untergegrubbert zu werden.
Nun genießt er Licht und Nährstoffe in Alleinlage. Vermutlich wird der Mangold hier sein Gnadenbrot bekommen. In unsere Erntekiste wird er es wohl nicht mehr schaffen.
Direkt daneben steht dunkelgrünes, saftiges Möhrengrün in blitzeblanken Reihen. Was darunter im Damm schlummert, lässt sich nur erahnen.
Wenn die Möhren genauso kräftig sind wie ihr Grün, dürfen wir uns glücklich schätzen.
Nur wenige Meter weiter sitzen dicke Rote-Bete-Rüben eng aneinander gedrängt auf der Erde und lassen ihre prallen Bäuche von den kräftigen Blättern beschatten.
Benachbart folgt Kohl in allen möglichen Sorten.
Sein schwerer Duft wird immer wieder von einer angenehm kräuterigen Brise durchzogen.
Ganz hinten tanzen die großen, gelben Dilldolden im Wind. Ihr Duft erinnert daran, dass die Einmachzeit längst begonnen hat!
Weiter vorne stehen die großen Kohlpflanzen längst nicht mehr geschützt unter dem Vlies. Ihre Tage auf dem Acker sind gezählt, der Hofladen ruft. Bald wird sich das Messer mühsam durch die dicken, holzigen Stängel arbeiten und den Kohl von seinen nährenden Wurzeln trennen.
Die später gepflanzten Exemplare liegen dagegen noch sicher unter dem Vlies. Sehr zum Leidwesen der umherschwirrenden Kohlweißlinge, die vergeblich nach einer jungen und noch zarten Kinderstube für ihre gefräßigen Raupen Ausschau halten.
In der hintersten Ecke ruht ein kleiner Zipfel Blühmischung. Vieles ist schon verblüht, und trotzdem lässt sich noch erahnen, welche Farbenpracht hier vor gar nicht allzu langer Zeit gestanden hat. Ein paar Brummer schmausen dort an einer Sonnenblume.
Was sie dabei vermutlich nicht bemerken: ganz leise und vollkommen regungslos beobachten zwei bernsteinfarbene Augen das Geschehen. Der junge Feldhase hat im knisternden Dickicht Zuflucht gefunden und wartet die neugierigen Blicke geduldig ab.
Der Spaziergang führt wieder über die Straße zurück. Vor den drei großen Gebäudeschiffen des Hofladens stehen majestätische Sonnenblumen, die selbst die Hünen des Hofes mit Leichtigkeit überragen. Daneben unsere Schätze für den Herbst: Porree und Sellerie stehen auf dem krümeligen Acker, der mit Ausnahme von ein bisschen Franzosenkraut ebenfalls blitzeblank ist.
Die dicken, dunklen Wolken sind trügerisch und versprechen das, was doch nicht ausreichen kommt und so sehr gebraucht wird: Regen.
Auf dem Rückweg führt der Weg über den Sellerieacker. Im letzten Jahr stand hier Kohl. Zwischen den Selleriepflanzen tauchen deshalb immer wieder dicke Wurzeln wie knorrige Monumente auf. Die Wurzelreste werden den Sellerie bis zur Ernte begleiten. Erst wenn die Fläche wieder bearbeitet wird, werden auch sie ein weiteres Mal untergegrubbert und von den Mikroorganismen verwertet.
Und so läuft das auf dem Overmeyer-Acker. Ein Gemüse macht Platz für das nächste, Reste aus dem vergangenen Jahr begleiten das frische Grün, und überall dazwischen wächst, blüht, summt und hoppelt das Leben. Es lohnt sich sehr, selbst mal auf dem Acker vorbei zu schauen.
Die nächste Gelegenheit dazu gibt es auf unserem Sommerfest am 29. August 2026. Wir freuen uns!
Eine schöne Restwoche und bis bald im Hofladen!
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